Projekte
Die nationalsozialistische "Euthanasie" und ihre Opfer auf dem Gebiet der heutigen Tschechischen Republik 1939–1945 – ein österreichisch-deutsch-tschechisches Forschungsprojekt als Beitrag zur Aufarbeitung der gemeinsamen Geschichte
Bislang ist kaum bekannt, dass sich die Morde im Rahmen der NS-Euthanasie auch auf das von Deutschland besetzte Gebiet der heutigen Tschechischen Republik erstreckten. Zwischen Oktober 2007 und September 2008 wurde von den Gedenkstätten Hartheim, Pirna-Sonnenstein und der tschechischen Akademie der Wissenschaften ein gemeinsames Forschungsprojekt durchgeführt, um diese Forschungslücke zu füllen und die Namen und Daten der ermordeten Menschen aus diesem Gebiet zu erfassen. Auf dieser Homepage finden sich Informationen und Dokumente, die im Rahmen des Projekts recherchiert werden konnten und einen Einblick in dieses, für lange Zeit vergessene Kapitel der NS-Herrschaft bieten.
Forschungsprojekt Psychiatrische Anstalt Niedernhart
Seit einigen Jahren wird im Lern- und Gedenkort zur Geschichte der psychiatrischen Anstalt Niedernhart (später Wagner-Jauregg Krankenhaus, heute Neuromed Campus) in Linz geforscht. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der „dezentralen“ NS-Euthanasie, der Ermordung von Psychiatriepatientinnen und -patienten durch Ärzte und Pflegerinnen sowie Pfleger - direkt in der Anstalt. Ein Aspekt sind etwa die Namen der während der Zeit des Nationalsozialismus in Niedernhart Verstorbenen und der Verbleib ihrer menschlichen Überreste.
Die Opfer der „Aktion T4“ in Bayern
Im Rahmen einer Kooperation mit den Gedenkstätten Grafeneck und Pirna-Sonnenstein wurde 2019 ein Projekt zu den Opfern der „Aktion T4“ in Bayern initiiert. Ziel des auf mehrere Jahre angelegten Forschungsprojekts gemeinsam mit den bayerischen Bezirken war die Klärung strittiger Fälle, bei denen der tatsächliche Todesort nicht vollständig geklärt ist, und die Verbesserung der Datenbankeinträge. Zudem wurde eine Wanderausstellung entwickelt, die 2025 fertiggestellt wurde.
Die 2025 erschienene Begleitpublikation zur Wanderausstellung "Ermordet in Grafeneck, Hartheim und Pirna-Sonnenstein. Die Opfer der 'Aktion T4' aus Bayern" versammelt 14 Lebensgeschichten von Menschen mit Behinderungen und psychischen Krankheiten aus Ober- und Niederbayern, aus der Oberpfalz, aus Ober-, Mittel- und Unterfranken sowie aus Schwaben. Sie wurden im Nationalsozialismus von ärztlichem, pflegerischem und Verwaltungspersonal als vermeintlich "lebensunwertes Leben" zunächst stigmatisiert und schließlich in einer der drei Tötungsanstalten der "Aktion T4" Grafeneck, Hartheim oder Pirna-Sonnenstein ermordet.
Boris Böhm, Peter Eigelsberger, Daniel Hildwein, Hagen Markwardt (Red.): Ermordet in Grafeneck, Hartheim und Pirna-Sonnenstein. Die Opfer der "Aktion T4" aus Bayern, Alkoven 2025, ISBN: 978-3-9504504-5-3
Projektgruppe „Fremdvölkische Kinderheime“
Am Lern- und Gedenkort Schloss Hartheim arbeitet eine Projektgruppe aus Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und anderen Forscherinnen und Forschern an der Aufarbeitung der Geschichte der „fremdvölkischen Kinderheime“ auf dem Gebiet des „Gaues Oberdonau“ in der Zeit des Nationalsozialismus. Bei den „fremdvölkischen Kinderheimen“ handelte es sich um Einrichtungen, in denen Kinder von osteuropäischen und sowjetischen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern, die ihren Müttern entzogen worden waren, unter häufig sehr widrigen Bedingungen untergebracht wurden. Viele der Säuglinge verstarben an Unterernährung und mangelnder Versorgung.
Ziel des Projekts ist es, die historische Forschung zu möglichst vielen der Heime (ca. ein Dutzend auf dem Gebiet des „Gaues Oberdonau“) voranzutreiben, einen „Atlas“ der Heime zu erstellen und die Ergebnisse in einem Sammelband in der historischen Reihe des Lern- und Gedenkorts Schloss Hartheim zu publizieren. Ein weiteres Ziel soll aber auch sein, lokale Gedenkarbeit zu initiieren bzw. zu fördern.
