Projekte

TAGS Materialitäten der Vernichtung und des Widerstands. Häftlingsmarken aus dem Konzentrationslager Mauthausen

Kooperationsprojekt der Universität Innsbruck (Projektleiterin Barbara Hausmair), der Gedenkstätte Mauthausen (Yvonne Burger) und des Lern- und Gedenkorts Schloss Hartheim (Florian Schwanninger)

Funded by the Austrian Academy of Sciences’ Heritage Science Austria .2 Program (Heritage_20204-01_Tags)

"Hallo, wie heißt du?“ – eine banale Frage, die doch eine der grundlegendsten Eigenschaften des Menschseins berührt: unseren Namen. In den nationalsozialistischen Konzentrationslagern (KZ) führte die SS einen der grausamsten Angriffe auf die Menschlichkeit ihrer Opfer durch, indem sie deren Namen durch Nummern ersetzte. Im Konzentrationslager Mauthausen wurden die Häftlingsnummern auf die Kleidung der Häftlinge aufgenäht, aber auch auf Metallplaketten vergeben, die als Armbänder oder Halsketten getragen wurden. Die Gedenkstätten Mauthausen und Hartheim (MM/LGSH) kuratieren eine Sammlung über 260 solcher Marken, die bei Exhumierungen nach dem Krieg und späteren archäologischen Ausgrabungen aus Massengräbern geborgen wurden. Interessanterweise umfasst diese Sammlung nicht nur von der SS ausgegebene Häftlingsmakren, sondern auch von Häftlingen selbst angefertigte. Einige davon sind äußerst kunstvolle gearbeitet und verziert. Durch die Bündelung der interdisziplinären Kompetenzen der Heritage Sciences  (Historische Archäologie, Geschichte, Traceologie, Metallurgie und Konservierung) erforschen das Team von Barbara Hausmair an der Universität Innsbruck gemeinsam mit dem Mauthausen Memorials und dem Lern- und Gedenkortes Schloss Hartheim in diesem Projekt die Materialität dieser Häftlingsmarken, um ihre Rolle in der Lagerverwaltung und den Vernichtungsprozessen zu verstehen, zu ergründen, wie Häftlinge der Entmenschlichung widerstanden, indem sie sich diese Objekte der Gewalt wieder zu eigen machten, und zu klären, ob die Marken nach 1945 zu Erinnerungsstücken wurden. Ziel ist es, neue Einblicke in das Leben der von den Nationalsozialist*innen ermordeten Menschen zu gewinnen, grundlegende Leitlinien für den Umgang mit Metallartefakten aus archäologischen Kontexten des 20. Jahrhunderts zu erstellen, die Erhaltung der Häftlingsmarken sicherzustellen und sensible Objektbiografien für ein gemeinsames Vermittlungsangebot der beteiligten Gedenkstätten zu entwickeln.

MEHR ZUM PROJEKT AUF DER WEBSEITE DER UNIVERSITÄT INNSBRUCK Häftlingsmarken aus NS-Konzentrationslagern – Universität Innsbruck

Die nationalsozialistische "Euthanasie" und ihre Opfer auf dem Gebiet der heutigen Tschechischen Republik 1939–1945 – ein österreichisch-deutsch-tschechisches Forschungsprojekt als Beitrag zur Aufarbeitung der gemeinsamen Geschichte

Bislang ist kaum bekannt, dass sich die Morde im Rahmen der NS-Euthanasie auch auf das von Deutschland besetzte Gebiet der heutigen Tschechischen Republik erstreckten. Zwischen Oktober 2007 und September 2008 wurde von den Gedenkstätten Hartheim, Pirna-Sonnenstein und der tschechischen Akademie der Wissenschaften ein gemeinsames Forschungsprojekt durchgeführt, um diese Forschungslücke zu füllen und die Namen und Daten der ermordeten Menschen aus diesem Gebiet zu erfassen. Auf dieser Homepage finden sich Informationen und Dokumente, die im Rahmen des Projekts recherchiert werden konnten und einen Einblick in dieses, für lange Zeit vergessene Kapitel der NS-Herrschaft bieten.

Forschungsprojekt Psychiatrische Anstalt Niedernhart

Seit einigen Jahren wird im Lern- und Gedenkort zur Geschichte der psychiatrischen Anstalt Niedernhart (später Wagner-Jauregg Krankenhaus, heute Neuromed Campus) in Linz geforscht. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der „dezentralen“ NS-Euthanasie, der Ermordung von Psychiatriepatientinnen und -patienten durch Ärzte und Pflegerinnen sowie Pfleger - direkt in der Anstalt. Ein Aspekt sind etwa die Namen der während der Zeit des Nationalsozialismus in Niedernhart Verstorbenen und der Verbleib ihrer menschlichen Überreste.

Die Opfer der „Aktion T4“ in Bayern

Im Rahmen einer Kooperation mit den Gedenkstätten Grafeneck und Pirna-Sonnenstein wurde 2019 ein Projekt zu den Opfern der „Aktion T4“ in Bayern initiiert. Ziel des auf mehrere Jahre angelegten Forschungsprojekts gemeinsam mit den bayerischen Bezirken war die Klärung strittiger Fälle, bei denen der tatsächliche Todesort nicht vollständig geklärt ist, und die Verbesserung der Datenbankeinträge. Zudem wurde eine Wanderausstellung entwickelt, die 2025 fertiggestellt wurde.

Die 2025 erschienene Begleitpublikation zur Wanderausstellung "Ermordet in Grafeneck, Hartheim und Pirna-Sonnenstein. Die Opfer der 'Aktion T4' aus Bayern" versammelt 14 Lebensgeschichten von Menschen mit Behinderungen und psychischen Krankheiten aus Ober- und Niederbayern, aus der Oberpfalz, aus Ober-, Mittel- und Unterfranken sowie aus Schwaben. Sie wurden im Nationalsozialismus von ärztlichem, pflegerischem und Verwaltungspersonal als vermeintlich "lebensunwertes Leben" zunächst stigmatisiert und schließlich in einer der drei Tötungsanstalten der "Aktion T4" Grafeneck, Hartheim oder Pirna-Sonnenstein ermordet.

Boris Böhm, Peter Eigelsberger, Daniel Hildwein, Hagen Markwardt (Red.): Ermordet in Grafeneck, Hartheim und Pirna-Sonnenstein. Die Opfer der "Aktion T4" aus Bayern, Alkoven 2025, ISBN: 978-3-9504504-5-3

Projektgruppe „Fremdvölkische Kinderheime“

Am Lern- und Gedenkort Schloss Hartheim arbeitet eine Projektgruppe aus Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und anderen Forscherinnen und Forschern an der Aufarbeitung der Geschichte der „fremdvölkischen Kinderheime“ auf dem Gebiet des „Gaues Oberdonau“ in der Zeit des Nationalsozialismus. Bei den „fremdvölkischen Kinderheimen“ handelte es sich um Einrichtungen, in denen Kinder von osteuropäischen und sowjetischen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern, die ihren Müttern entzogen worden waren, unter häufig sehr widrigen Bedingungen untergebracht wurden. Viele der Säuglinge verstarben an Unterernährung und mangelnder Versorgung.

Ziel des Projekts ist es, die historische Forschung zu möglichst vielen der Heime (ca. ein Dutzend auf dem Gebiet des „Gaues Oberdonau“) voranzutreiben, einen „Atlas“ der Heime zu erstellen und die Ergebnisse in einem Sammelband in der historischen Reihe des Lern- und Gedenkorts Schloss Hartheim zu publizieren. Ein weiteres Ziel soll aber auch sein, lokale Gedenkarbeit zu initiieren bzw. zu fördern.