Ústavy

Die Gau-Heil- und Pflegeanstalt in Sternberg/Šternberk

Beschreibung der Anstalt

Stadtplan von Sternberg (vor 1933).

Die Landes-Irrenanstalt Sternberg liegt 0,5 km südlich von der Stadt Sternberg und in gleicher Entfernung von der Station Sternberg der Staatsbahnlinie Nezamyslitz-Ziegenhals. Dieselbe wurde in den Jahren 1890-92 erbaut und ist zur Unterbringung Geisteskranker aus dem nördlichen Mähren und den mähr. Enklaven in Schlesien bestimmt.
Die Anstalt liegt an der Olmütz-Troppauer Reichsstrasse auf einer anfangs sanft ansteigenden, weiterhin mässigteilen, nach Westen abfallenden Lehne. Die Lage ist frei und landschaftlich schön; sie gewährt einen weiten Blick nach Westen und Süden über die Marchebene hin, und während am südlichen Horizonte die Türme und Kuppeln von Olmütz auftauchen, begrenzen den westlichen Gesichtskreis die dunklen Auwälder der March und darüber die sanften Linien des böhmisch-mährischen Höhenzuges. Dasim Osten der Anstalt sich bis zu 400 m erhebende Gebirge, die Sudeten, setzt sich nach Nordwesten, in stundenweiter Ausdehnung von zusammenhängenden Forsten bedeckt, in immer mehr ansteigender Erhebung bis zum Altvater und weiter zum Glatzer Gebirge fort.
Das ganze Anstaltsgebiet hat einen Flächeninhalt von 62,40 ha, wovon 18,74 ha auf Bauplatz, 32,94 ha auf Landwirtschaft und Gemüsebau, 10,72 ha auf Wald entfallen. Der Bauplatz ist mit einem Lattenzaun und einer lebenden Hecke eingefriedet.
Die einzelnen Gebäude, 45 an der Zahl, lassen sich nach ihrer Bestimmung folgendermaßen einteilen:

  1. 23 Krankenpavillons u. z. [= und zwar] 4 à 20, 2 à 25, 7 à 30, 5 à 40, 2 à 50 und 2 à 65 = 770 Plätze und 1 Infektionshaus, sämtliche Gebäude sind mit Ausnahme der Pavillons zu 65 Plätzen einstöckig gebaut.
  2. Das Direktions- und Verwaltungsgebäude.
  3. Die Kapelle.
  4. Die Kochküche.
  5. Das Waschmaschinen- und Kesselhaus.
  6. Die Wäscherei.
  7. Die Wohnhäuser für Aerzte, Beamte und Bedienstete.
  8. Das Leichenhaus.
  9. Das Glashaus.
  10. Die Stallungen.
  11. Die Scheune und Remisen.
  12. Die Abwässer-Reinigungsanlage.
Verwaltungsgebäude der Anstalt (1940).

Die Anordnung der Gebäude ist in der Weise durchgeführt, dass die Krankenhäuser durch die dazwischen gelegten Betriebsgebäude in zwei grosse Gruppen geschieden sind, von denen die nördliche zur Aufnahme der weiblichen, die südliche Gruppe für die männlichen Pfleglinge bestimmt ist. Die Krankenhäuser zeigen die gebräuchliche Einteilung in geschlossene und offene, von denen die ersteren wieder in Häuser für Ruhige, Halbruhige und Unruhige unterschieden sind. Die einzelnen Einrichtungen der Anstalt, die nunmehr 20 Jahre besteht, in welchem Zeitraume des Irrenanstaltswesen grosse Fortschritte gemacht und in allen Zweigen auf Grund der gewonnenen Erfahrungen sich reich entwickelt hat, müssen heute wohl grösstenteils als überholt gelten und es erübrigt sich somit eine eingehende Beschreibung. Es sei deshalb nur kurz erwähnt, dass die Anstalt elektrisch beleuchtet ist; der elektrische Strom für Beleuchtungs- und motorische Zwecke wird in der Anstalt selbst erzeugt. An Beheizungssystemen sind Luftheizung, Dampf-(Niederdruck-) und Ofenheizung in Verwendung. Kochküche und Wäscherei sind an der Maschinenhaus angeschlossen. Die Wasserversorgung geschieht durch einen Tiefbrunnen, der nahezu den doppelten Tagesbedarf liefert. Ausserdem besteht Anschluss an das städtische Wasserwerk und eine Quellwasser-Gravitationsleitung aus den östlich gelegenen Bergen. Regen- und Schmutzwässer-Ableitung erfolgt in glasierten Steinzeugröhren; die Abwässer passieren eine Reinigungsanlage und werden sodann durch den "Starnauer Graben" dem Marchflusse zugeführt.
Die bei der Behandlung der Kranken massgebenden ärztlichen Grundsätze sind ausser einer nach allgemeinen, diätischen und hygienischen Grundsätzen geordneten Lebensweise (darunter auch vollständige Abstinenz von alkohol. Getränken), Bettruhe, hydriatische Prozeduren, besonders prolongierte Bäder, und möglichst ausgedehnte Beschäftigungstherapie.
Gelegenheit zur Beschäftigung ist sowohl auf jeder Abteilung geboten, als auch in den mannigfachen Werkstätten des Werkstättengebäudes und ausserdem bei Gärtnerei, Ackerbau und Viehzucht, in der Küche, Wäscherei und Hauswirtschaft.

Pramen: Die Irrenpflege in Österreich in Wort und Bild. Redigiert von Dr. Heinrich Schlöss, Halle 1912

Lage der Anstalt

Psychiatrická léčebna Šternberk
Olomoucká 1848/173
785 01 Šternberk
http://www.plstbk.cz