Ústavy

Die Böhmische Landesirrenanstalt in Prag-Bochnitz/Praha-Bohnice

Beschreibung der Anstalt (1912)

Foto der psychiatrischen Klinik in Prag-Bochnitz
Psychiatrische Klinik in Prag-Bochnitz (2009).

Die königl. böhm. Landes-Anstalt für Geisteskranke in Bohnitz ist im Pavillonsystem in unmittelbarer Nähe des zukünftigen Gross-Prag bei der Gemeinde Bohnitz auf dem Plateau oberhalb des rechten Moldauufers erbaut und besitzt eine reiche Aussicht gegen Süden auf die höher gelegenen Teile Prags und auf eine landschaftlich schön koupierte Hochebene, welche nördlich den majestätischen Georgsberg, nordwestlich das Panorama des weiten böhmischen Mittelgebirges im Hintergrunde hat.
Mit dem Baue wurde im Jahre 1906 begonnen und Anfang 1911 wurde die Anstalt, ausgenommen die Kirche und das Pensionat, ihrer Bestimmung zugeführt, nachdem schon vorher einzelne fertiggestellte Objekte ihrem Zwecke übergeben resp. mit Kranken aus den überfüllten Landes-Anstalten belegt wurden.
Von dem 303 Hektar umfassenden Grundstücke, welches durch Kauf des Bohnitzer Gutes erworben wurde, sind 60 Hektar mit dem alten, schönen Park zum Anstaltsbaue verwendet worden, während der Rest zur Beschäftigung der Kranken dienen soll.
Für die Unterbringung der Kranken sind drei Häusergruppen bestimmt, von denen jede ein abgerundetes Ganzes darstellt und zwar: die Zentralanstalt, die Kolonie und das Pensionat.
Die Zentralanstalt, in welcher ungefähr 1300 Kranke untergebracht werden sollen, ist für die Aufnahme, Behandlung und Verwahrung derjenigen Kranken bestimmt, welche einer besonderen Obsorge und gewissenhaften Beaufsichtigung benötigen.
In der Kolonie, mit einem Belagraum von 300 Betten, finden diejenigen Kranken Unterkunft, welchen vollständig freie Pflege gewährt werden kann und welche eventuell auch in der Oekonomie, Gärtnerei oder in den Werkstätten beschäftigt werden können.
Das Pensionat mit einem Belagraum für 200 Personen, soll Kranke aufnehmen, welche hinsichtlich der Unterbringung und Verpflegung erhöhte Ansprüche stellen.
In der Nähe des Pensionates, von ihm jedoch territorial getrennt, wird der Pavillon für freie Pensionäre stehen. Zur Behandlung dieser Kranken werden da die modernsten Einrichtungen zur Verfügung gestellt werden.
Die Zentralanstalt ist erbaut auf zwei parallelen und zwei diagonalen Strassen und einer senkrechten Mittelachse, welche den Winkel der beiden diagonalen Strassen schneidet.

Foto vom Verwaltungsgebäude der psychiatrischen Klinik in Prag-Bochnitz
Verwaltungsgebäude der Anstalt (2009).

In der senkrechten Achse stehen die Gebäude für administrative Zwecke: im Vordergrunde das Administrationsgebäude, hinter demselben die Kirche, weiter nach hinten die Zentralküche, weiter das Gebäude für die Wäscherei, das Zentralbad und Elektrizitätswerk mit dem Nutzwasser-Reservoir, ferner das Kesselhaus, die Desinfektions-Station und zuletzt die Werkstätten zur Beschäftigung der Kranken mit Professionistenarbeiten.
Die in der Mittelachse stehenden Gebäude teilen die Zentralanstalt in die rechte Hälfte für die Frauen und die linke Hälfte für die Männer.
Die Kranken-Pavillons sind längs der beiden diagonalen und der hinteren parallelen Strasse gruppiert, während sich längs der vorderen parallelen Strasse die Villen für die Aerzte und einige Verwaltungsbeamte mit dem Administrationsgebäude in der Mitte befinden.
Für die Einteilung und Gruppierung der Kranken-Pavillons, über die das beiliegende Situationsbild am besten orientieren wird, war der Grundsatz massgebend, dass die Kranken nach dem Charakter ihrer Krankheit und ihren sozialen Eigenschaften entsprechend verteilt und behandelt werden können.
Im Vordergrunde, und zwar in der Nähe des Administrationsgebäudes und der Mittelachse stehen die beiden Aufnahmehäuser, jedes für 80 Kranke. Längs der diagonalen Strassen sind disloziert zwei Häuser für ruhige Kranke, jedes zu 100 Betten, zwei Häuser für minder ruhige Kranke zu je 80 Betten, zwei Häuser für Unreine zu 40 Betten. Hinter den beiden Aufnahmehäusern sind die beiden Lazarette, jedes zu 80 Betten.
Die Häuser für Unruhige, im ganzen acht, zu je 65 Betten, sind längs der hinteren parallelen Strasse disloziert. Je ein Haus für Unruhige auf der Männer- und Frauenseite ist für Epileptiker bestimmt.
Zur Unterbringung der an Tuberkulose leidenden Kranken dient auf jeder Seite eine eigenes Haus mit 60 Betten. Dasselbe besitzt eigene Liegehallen und selbstverständlich auch weitere Einrichtungen, welche derzeit zur entsprechenden Pflege Tuberkulöser als erforderlich angesehen werden.
Der Pavillon für die an Infektions-Krankheiten Erkrankte, mit einem Belagraum von 30 Betten, ist gemeinschaftlich für Frauen und Männer.
Die kriminellen Geisteskranken sollen eine entsprechende Sequestration in einem eigens dazu erbauten Hause finden.

Pramen: Die Irrenpflege in Österreich in Wort und Bild. Redigiert von Dr. Heinrich Schlöss, Halle 1912

Beschreibung der Anstalt (1942)

2 433 Betten. Nur tschechische Ärzte, Beamte und Patienten. Baujahr: 1910. Eigene Judenabteilung mit jüdischem Arzt.
Bochnitz ist ein Vorort am Westrande Prags, an dem man von Dresden kommend vorbeifährt.

Pramen: BAB, R 96 I/15, Bericht über Planung Protektorat vom 7.–10. September 1942

Lage der Anstalt

Ústavní 91
181 02 Praha 8

Weitere Informationen zur heutigen Anstalt

Psychiatrická léčebna Bohnice
http://www.plbohnice.cz

Die Landesirrenanstalt in Prag/Praha

Beschreibung der Anstalt (1942)

1 040 Betten
Diese Anstalt war die Klinik der ehemaligen tschechischen Universität. Nur tschechische Ärzte, Beamte und Patienten. Sie wird als Heilanstalt mit dieser Bettenzahl aufgelassen zu Gunsten der psych. Klinik.

Pramen: BAB, R 96 I/15, Bericht über Planung Protektorat vom 7.–10. September 1942

Die Heilanstalt für Nerven- und Geisteskranke in Weleslawin/Veleslavín (privat)

Beschreibung der Anstalt (1942)

Foto der Heilanstalt in Prag-Weleslawin
Heilanstalt in Prag-Weleslawin (vor 1945).

Eine frühere jüdische Privatanstalt, jetzt von einem deutschen Dr. Knahl übernommen. Es soll aber alles beim Alten geblieben sein. Die Anstalt ist tschechisch noch geleitet und da der Besitzer kein Psychiater ist, hat er einen tschechischen Chefarzt hereingenommen. Es ist aber die beste Privatheilanstalt Böhmens, da andere Anstalten geschlossen wurden.

Pramen: BAB, R 96 I/15, Bericht über Planung Protektorat vom 7.–10. September 1942