Ústavy

Die Heil- und Pflegeanstalt in Kremsier/Kromĕříž

Beschreibung der Anstalt

Als die ständige Ueberfüllung der beiden ersten Landes-Irrenanstalten in Brünn und Sternberg die erspriessliche Tätigkeit derselben ziemlich hemmte und auch die adaptierte Filialanstalt in Iglau dieses Uebel nur ganz wenig zu beseitigen vermochte, beschloss der mährische Landtag in der Sitzung vom 30. Oktober 1903 den Bau einer dritten Landes-Irrenanstalt mit selbständigem Aufnahmegebiete in Kremsier. Für diese Anstalt wurden Grundstücke an der südlichen Peripherie der Stadt nächst dem fürst-erzbischöflichen Park "Ziergarten" im Ausmasse von 82,5 ha, wovon 29,5 ha für die eigentlichen Baufläche und 53 ha für die landwirtschaftliche Kolonie entfallen, angekauft und der ganze Anstaltsbau in 4 Bauperioden eingeteilt, wobei die Gebäude jeder einzelnen Baugruppe nach ihrer Fertigstellung und Einrichtung sofort mit Kranken zu beziehen waren. Mit dem Baue wurde im Frühjahre 1905 begonnen und die in der ersten Bauperiode gebauten 2 Aufnahmepavillons und 2 Pavillons für Unruhige (nebst dem Administration- und einem Wohngebäude) im Sommer 1906 mit Kranken belegt.
In der zweiten Baugruppe wurden errichtet: 2 Pavillons für bessere Stände, 1 Pavillon für unruhige Männer, 2 Pavillons für Halbruhige, das gemeinsame Lazarett und Infektionsspital, weiter das Leichenhaus, die Koch- und Waschküche, das Kesselhaus und das zweite Wohnhaus. Die Krankenpavillons wurden Ende 1907 und anfangs 1908 bezogen und die Anstalt mit 1. Dezember 1907 für direkte Aufnahmen eröffnet und ihr ein eigener Aufnahmebezirk zugewiesen. Die dritte Baugruppe, enthaltend 6 Pavillons für Pflegebedürftige, 2 Pavillons für Ruhige und 1 Werkstättengebäude, gelangte im Laufe des Sommers 1908 zur Belegung; im vierten Baujahre (1908) wurde die Kirche, das an das Administrationsgebäude angeschlossene Gesellschaftshaus, die Aufnahmeabteilung für unruhige Frauen, die landwirtschaftliche Kolonie mit dem Wohnhaus für die dabei beschäftigten Kranken ausgebaut.
Die Baufläche selbst ist in 3 Gruppen geteilt. Die in der Mittelachse liegenden Gebäude dienen, ausgenommen das am Nordende liegende Lazarett, durchaus Administrations- und Wirtschaftszwecken; rechts und links von diesen verteilen sich die Krankenpavillons (auf der Männerseite um 4 mehr). Die Strassenfront nehmen die Wohngebäude für Aerzte und Beamte, den Pförtner und Kanzleidichter ein; seitlich in der Nordostecke liegt das Leichenhaus und westlich von der Anstalt die landwirtschaftliche Kolonie.
Fast alle Krankenpavillons sind zweigeschossig und enthalten je zwei selbständige Krankenabteilungen mit den dazu gehörigen Gärten. Die Aufnahmepavillons und die Pavillons für bessere Stände sind in der I. Etage nur zum Teil ausgebaut und bilden nur eine Abteilung. Im gemeinsamen Lazarett enthält der Mitteltrakt im Parterre zwei ärztliche Ambulanzen und Warteräume, ein Vorbereitungszimmer, einen Operationssaal, einen Sterilisationsraum und eine Vorratskammer, im I. Stocke ärztliche Laboratorien für Mikroskopie, Chemie, Endoskopie, Photographie usw. In beiden Flügeln sind Krankenabteilungen für je 18 (+ 2 Betten für kranke Bedienstete) Kranke, und zwar im Parterre für somatische, jedoch nicht infektiöse Krankheiten, im I. Stock für Tuberkulose. Jede dieser 4 Abteilungen lässt sich vollständig isolieren, da die Parterreabteilungen für den Bedarfsfall über die Veranden zugänglich sind (für den Fall einer größeren Epidemie, wo das kleine, nur für 10 Betten eingerichtete Epidemiespital nicht ausreichen sollte).
Die innere Gruppierung der Abteilungsräume in den einzelnen Pavillons richtet sich immer nach dem durch das Verhalten der im Hause untergebrachten Kranken gegebenen Bedürfnisse, ist jedoch im Prinzipe derart durchgeführt, dass die Tagräume gegen Süden, die Nebenräume (wie Treppen, Klosetts, Spül- und Waschräume, Depôts, Pflegerzimmer, event. auch Bad) gegen Norden und die Schlafzimmer an den Seiten, um von zwei Seiten beleuchtet zu werden, situiert sind. — Die Gärten der ebenerdigen Abteilungen sind durch die Veranden aus den Tagräumen direkt, jene der oberen Abteilungen vom Stiegenhause aus zugänglich. Die etwas geräumigeren Veranden der Pavillons für bessere Stände sind verglast, beheizbar und als Wintergärten eingerichtet. — Die Aufnahmeabteilungen für Unruhige und die Abteilungen für Tuberkulöse haben gedeckte Veranden auch im I. Stocke. — Jeder Pavillon hat im Parterre ein an das Stiegenhaus angrenzendes Besuchszimmer. —

Pramen: Die Irrenpflege in Österreich in Wort und Bild. Redigiert von Dr. Heinrich Schlöss, Halle 1912

Beschreibung der Anstalt (1942)

1 100 Betten. Moderne Anstalt. Pavillonsystem.
10 Ärzte — 232 Personal. Baujahr: 1915. In jeder Richtung eine schöne Anstalt.

Pramen: BAB, R 96 I/15, Bericht über Planung Protektorat vom 7.–10. September 1942

Lage der Anstalt

Psychiatrická léčebna v Kroměříži
Havlíčkova 1265
767 40 Kroměříž
http://www.plkm.cz